Home   Therapie   Ärzte   NETZWERK   Workshops   Kontakt   Mitglieder-Login   Facebook  










Newsletter?

Click here!

15/04 2009

Phosphatidylcholin

Von Dr. Franz Hasengschwandtner und Dirk Brandl

In der Injektions-Lipolyse verwenden wir mit PPC-DOC (Polyenylphosphatidylcholin-Desoxycholsäure) eine in der Wissenschaft und Medizin sehr gut untersuchte Wirkstoffkombination. Mehr als 2.000 Publikationen sind über das Gebiet der essentiellen Phospholipide (EPL), wie die hoch ungesättigten Phosphatidylcholine (PC) aus der Sojabohne auch genannt werden, bekannt. Neben den zitierten neueren Studien beziehen wir uns in diesem Artikel insbesondere auf das Grundlagenwerk „The Essential Phospholipids as a Membrane Therapeutic“ von Adj. Prof. Dr. Karl-Josef Gundermann.

Auffällig ist, dass der Wirkstoff in sehr vielen und unterschiedlichen Anwendungen dokumentiert wurde, so dass der wissenschaftlich nicht bewanderte Leser zur Vermutung gelangen könnte, wir hätten es mit einer wahrhaften Wunderdroge zu tun, eine Vermutung, die mit diesem Artikel relativiert werden soll.

 

Phosphatidylcholin und der menschliche Körper

Phosphatidylcholin hat viel mit dem kleinsten Baustein im menschlichen Körper, der menschlichen Zelle zu tun, genauer gesagt mit dem Schutzmantel der Zelle, der Membran. Diese Zellmembran und die Membran ihrer subzellulären Organellen ist ein sehr interessanter Zellbestandteil, denn sie ist verantwortlich für den Austausch mit den im menschlichen Organismus transportierten Stoffen, die die Zelle zum Leben dringend benötigt. Interessant ist sie deshalb, weil sie einerseits für bestimmte Stoffe durchlässig ist und andererseits ein geschlossenes System beschützt, welches innerhalb der Zellmembran ein Eigenleben führt. Die Membranen jeder Zelle bestehen zu unterschiedlich hohen Anteilen aus Phosphatidylcholin, beispielsweise in der Fettzellmembran zu 70%. aus PC. Es ist also nicht verwunderlich, dass PC in nicht geringen Mengen natürlich im menschlichen Körper vorkommt.

 

Phosphatidylcholin als Membrantherapeutikum

Phosphatidylcholin und speziell der von uns verwendete Wirkstoff PPC (Polyenylphosphatidylcholin) gehört zur Gruppe der Lezithine. Das Lezithin des PPC wird heutzutage so hoch aus der Sojabohne extrahiert, das es keinerlei Eiweiß enthält und deshalb nicht allergisch wirksam ist. Im Gegensatz zum im menschlichen Körper vorkommenden PC enthält PPC insbesondere zwei gebundene ungesättigte Fettsäuren, die vor allem verantwortlich zeichnen für seine therapeutischen Effekte.

PPC gibt es in löslicher Form und in Tablettenform. Die lösliche Form ( PPC – DOC [Lösungsmittel ist Desoxycholsäure, eine Gallensäure]) wird intravenös injiziert und hat gegenüber der oral verabreichten Tablette einige Vorteile, die vor allem auf seine direkte Verfügbarkeit und Reinheit zurückzuführen sind, während die oral verabreichte Form ihren höchsten Blutspiegel ca. 6 Stunden nach Einnahme erzielt. Zudem werden bei oraler Aufnahme etwa 50% des PPC umgebaut.

Seiner Affinität zum in der Zellmembran vorhandenen PC ist es zu verdanken, dass PPC eine hochwirksame therapeutische Wirksamkeit bei sehr vielen unterschiedlichen Indikationen zu erzielen vermag. Einige der bekanntesten Indikationen für den Einsatz von PPC sollen hier beschrieben werden.

Ganz allgemein können die Funktionen von PPC Therapien wie folgt beschrieben werden:

➢ Den Membranen werden energiereiche strukturelle und funktionale Elemente zugeführt, die die Leistungsfähigkeit der Membranen und die Zelldifferenzierung, Zellregeneration und Zellflexibilität fördern

➢ Erhöhung der Aktivität von an oder in den Zellmembranen gebundenen Proteinen wie Enzymen und Rezeptoren

➢ Liefert bei Bedarf mehrfach ungesättigte Fettsäuren als Vorläufer der Eikosanoide, einer Gruppe lokaler Hormone, die eine wichtige Bedeutung als Immunmodulatoren und Neurotransmitter aufweisen

➢ Löst Fett im Blut, im Verdauungstrakt und in der Galle

➢ Beeinflusst immunologische Reaktionen auf Zellebene

➢ Verwandelt neutrales Fett und Cholesterol in leichter abbaubare Formen

Die Wirkung von PPC-Einnahmen kann sehr schön am Beispiel der Lipoproteine mit Hilfe des nachfolgenden Schaubilds gezeigt werden. Das PPC wird insbesondere in die Lipoproteine hoher Dichte eingebaut, wo es infolge seiner zwei gebundenen, hoch ungesättigten Fettsäuren mehr Raum in der Membran beansprucht. Resultat dieser Anlagerung ist eine höhere Flexibilität und Funktionalität einer solchen, in diesem Fall einschichtigen Membran.




Tab. 1: Einbau von PPC in Lipoproteine

Diese oben getroffenen allgemeinen Aussagen sollen hier auf die einzelnen Krankheitsbilder differenziert werden:

 

➢ PPC als Lebertherapeutikum

Die Prophylaxe und Therapie von verschiedenen Lebererkrankungen ist der wohl am besten untersuchte Indikationsstrang. Als Medikament ist PPC-DOC in vielen Ländern unter verschiedenen Markennamen sowohl in oraler als auch flüssiger Form für die Injektion verfügbar.




Tab. 2: nach Gundermann

Wie an dieser kleinen Tabelle zu erkennen, gibt es eine große Anzahl verschiedener Studien mit Ratten und Mäusen, die die vielfältigen Auswirkungen der PPC-Intervention auf die Regeneration der Leber zeigen. Insbesondere bei verschiedenen Formen der Hepatitis, Fettleber, Leberzirrhose und beim Einsatz von in der Krebstherapie eingesetzten Therapieformen wie Chemotherapien und Behandlung mit radioaktiven Bestrahlungen zeigen PPC Gaben signifikante positive Auswirkungen auf die Regeneration von Zellen in der Leber.

Beispielhaft soll hier eine Studie gezeigt werden, die eine signifikant höhere Überlebenserwartung bei chronischer und akut inflammatorischer Hepatitis belegt:




Tab. 3: Chao et al.

➢ Erkrankungen der Gallenblase

Auch bei Erkrankungen der Gallenblase konnten bei der Einnahme von EPL effektive Verbesserungen in Tierversuchen nachgewiesen werden. Beispielhaft sei hier eine Studie von Chanussot et al. aus dem Jahre 2003 angeführt (Tab 4).




Tab 4: Chanussot et al.

➢ Fettembolie Prophylaxe und Therapie

Mehr als 19 evidenz-basierte pharmakologische Studien haben sich mit der in Deutschland bestens bekannten Indikation der Fettembolie beschäftigt. Die Anzahl der ernst zu nehmenden klinischen Publikationen übersteigt die Zahl 50. Das nachfolgende Schaubild zeigt die Verbesserung sowohl bei der Prophylaxe der Fettembolie als auch bei ihrer Behandlung unter Berücksichtigung dieser 50 Publikationen, wobei die Dosierung und Dauer der Einnahmen stark variierten:




Tab. 5: Gundermann

Die hier gezeigten Zahlen zeigen, dass die Beigabe von PPC zur Basistherapie die Überlebensrate bei Fettembolie signifikant erhöht.

 

➢ Arterienverkalkung

Die Gründe und Theorien zur Entstehung dieser Krankheit können hier an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Die Bildung von sogenannten atherosklerotischen Plaques (Ablagerungen an den Gefäßwänden) ist hier von besonderer Bedeutung für die Gabe von PPC. Diese Zivilisationskrankheit, die sich in unseren entwickelten Gesellschaften immer mehr ausbreitet und zu verschiedenen schweren Schädigungen führen kann (Schlaganfall, Herzinfarkt u.a.), kann mit PPC ebenfalls behandelt werden, bzw. die Zellschädigungen können in den Arteriengängen prophylaktisch vermieden werden.

Interessant sind 2 Studien zu diesem Thema, deren Ergebnisse hier kurz in 2 Schaubildern dargestellt werden sollen: die Studie einer russischen Forschergruppe (Nikitina et al., 1993) mit der Darstellung von Veränderungen im Blutserum in vivo nach Gabe von PPC und eine weitere russische Studie der Untersuchung der atherosklorotischen Plaques ex vivo nach 6-monatiger Gabe von PPC in vivo (Orekhov et al., 1996)





Tab. 6 + 7: Nikitina et al. + Orekhov et al.

➢ Weitere Auswirkungen von PPC auf verschiedene Erkrankungen

Neben den oben im Einzelnen beschriebenen Erkrankungen konnten weitere Auswirkungen studienunterlegt nachgewiesen werden, die auf jeden Fall weiter untersucht werden sollten, als da sind:

➢ Reduktion von Schädigungen der Leber durch künstliche Ernährung

➢ Behandlung von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

➢ Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse

➢ Behandlung von Atmungsproblemen bei Frühgeborenen

➢ Behandlung von bipolarer Depression

➢ Bei anderen Krebstherapien neben dem Leberkrebs kann PPC sowohl die schädigenden Wirkungen der eingesetzten Zytostatika bei Chemotherapien als auch die Auswirkungen der radioaktiven Bestrahlungen auf gesunde Zellen mindern

 

Phosphatidylcholin und Injektions-Lipolyse

Wie kommt es, dass eine Wirkstoffkombination mit ausgewiesener zellmembrantherapeutischer Wirkung dennoch dazu geeignet ist, Fettzellen zu zerstören? Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt, obwohl bereits wichtige Bausteine einer Theorie des Aktionsmodus vorliegen. Klar ist, dass das Verhalten der Wirkstoffkombination bei subkutaner Injektion in das Fettgewebe anders ist als bei einer intravenösen Applikation. Dies liegt vor allem an 2 Faktoren, die bereits untersucht wurden, zum einen dem Verhalten der Desoxycholsäure und zum anderen an der Veränderung des Verhaltens von DOC bei Kombination mit PPC. DOC ist eine Gallensäure, die zur Auflösung des PPC in flüssiger Form benötigt wird. Allein ist sie sehr aggressiv und bereits in kleinsten Mengen in der Lage, Zellen zu zerstören. In Kombination mit PPC wird diese Aggressivität reduziert. Dennoch konnte in einer Studie der Universität Regensburg nachgewiesen werden, dass ab einer bestimmten Dosierung eine Zelldestruktion stattfindet.

Während DOC die Membran der Adipozyten zerstört und das freigesetzte Fett der Zelle in Nanopartikelgrösse auflöst, fördert das PPC den Abbau und Abtransport der Fette.

Schematisch kann der Prozess so dargestellt werden:

 








Tab. 8 - 12: Mode of Action
Tab 12: nach Studien von PD Dr. med. F. Bechara et al., Ruhr Universität, Bochum



EnglishOther
Language


   © 2004-2016 by Lichtblick GmbH    Impressum